Wir alle tragen sie. Masken - in den verschiedensten Facetten. Und für eine gewisse Zeit, sind sie uns auch hilfreich. Sie schützen uns davor, im Alltag von unverarbeiteten Emotionen überrolt zu werden. Unser Gesicht zu wahren. Unsere Arbeit zu vollrichten, ohne dass jemand anderes etwas von unserem inneren Tumult bemerkt.
Mittlerweile sind wir in einer Zeit angekommen, wo sich diese Masken nicht mehr aufrecht erhalten lassen. Und das ist gut so. Die Emotionen docken immer mehr an die Oberfläche, um endlich gesehen und befreit zu werden. Bei mir manchmal so stark, dass ich Panikatacken bekomme. Zum Beispiel im Flieger oder auch beim Zahnarzt. Mein letzter Zahnarzttermin ist erst ein paar Tage her. Da wir umgezogen sind, war ich bei einem neuen Zahnarzt. Ich war sehr nervös und beschloss, meine Maske abzulegen und es diesmal gleich anzusprechen. Ich rechnete mit einem schiefem Blick, aber was mich dann erwartete kann ich kaum in Worte fassen.
Die Zahnarztassistentin sagte mir während der Aufnahme, sie habe das auch. So kamen wir ins Gespräch. Wir tauschten uns aus, als wäre es das Normalste der Welt. Meine Nervosität zog sich mehr und mehr zurück. Ich war noch einige Zeit im Warteraum bei den anderen Patienten und erzählte das sogleich meinem Mann, der ebenfalls einen Termin hatte.
Der Mann neben mir blickte mich tatsächlich ein klein bisschen be-lächelnd an und meinte, dass mir die Angst ja nix bringe. Ich spürte, er meinte es nicht böse und wollte mich nur beruhigen. Ich erklärte ihm, dass es einige Erlebnisse gab bzw. dass es ja einen Grund dafür gibt - und vor allem, dass ich nichts dafür kann! Im selben Moment fing ein weiterer Patient an, mitzureden. Er erzählte, dass er als Kind einige Jahre im Krankenhaus verbringen musste. Und dass er, viele Jahre danach noch, wenn er Menschen in weißen Kitteln sah, zu weinen anfangen musste. Auch er ließ seine Maske fallen - das berührte mich sehr.
Und vor allem wurde mir noch mehr bewusst, dass ich mich für nichts schämen muss. Dass es wichtig ist, meine Gefühle, Bedenken und Bedürfnisse auszusprechen. Meine Masken fallen zu lassen - um den Schmerz dahinter zu ergründen. Mir selbst zu begegnen, in meiner Tiefe ...
Ich wurde aufgerufen. Der Zahnarzttermin verlief ganz easy. Auch dem Arzt teilte ich das mit der Panik gleich mit. Er ging verständnisvoll darauf ein. Ich hatte keine Panikattacke und bin mir selbst zutiefst dankbar, dass ich meine Maske fallen gelassen habe. So durfte vieles in mir heilen :-)
Schäme dich nie für deine Ängste oder Gefühle - sie haben einen Grund. Suche dir Unterstützung, du musst da nicht alleine durch! Es gibt viele Menschen, denen es ähnlich geht - lass deine Maske(n) fallen. Wahre Stärke liegt darin, sich den Gefühlen zu stellen, sie anzuerkennen und zu würdigen. Und das ist ein Prozess. Gib dir die Zeit, du du brauchst.
Und falls der andere es augenscheinlich nicht versteht: Wir wissen nie, was im anderen vorgeht, warum er so re-agiert, wie er reagiert. Vielleicht hat dieser Mensch auch Angst bzw. ist überfordert. Vielleicht kann er sich nicht hinein versetzen, weil er sowas nicht kennt. Oder er trägt auch (s)eine Maske.
Wichtig ist, dass du zu dir stehst, mit allem was dich ausmacht - ob mit oder ohne Maske. Aber glaub mir, es lohnt sich hinter die Maske(n) zu blicken. Denn dahinter wartet ein Geschenk - das wahre Selbst.
Alles Liebe,
Sandra
